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Unser Trip zum "Caminito Del Rey"

Eine atemberaubende Wanderung in schwindelerregenden Höhen

Direkt zu den Fotos? Bitte hier entlang. :-)

Der weltberühmte Pfad des Königs

Südseite des Caminito Del Rey von El Chorro aus gesehen
Südseite des Caminito Del Rey von El Chorro aus gesehen

   Der weltberühmte "Caminito Del Rey", der Pfad des Königs. Ein Hauch von Legende umweht diesen Namen. Stand er doch jahrelang als Inbegriff für einen der gefährlichsten Wanderwege der Welt. Wer in diesem Teil Andalusiens unterwegs ist und die Berge liebt, muss diesen Weg einmal erlebt haben.

   Der Caminito del Rey befindet sich in der Provinz Málaga zwischen den Seen von Teba und dem Dörfchen El Chorro, welches als Dorado der Kletterer gilt. Er wurde 1912 in der Schlucht, hoch über dem Fluss "Guadalhorce" am Fels angelegt und diente einst als Wirtschaftsweg für Arbeiter und Ingenieure des Wasserkraftwerks, für welches sich die Kanäle und riesigen Rohrleitungen durch den Berg ziehen. Den Namen erhielt der Weg durch den Besuch des Königs Alfonso XIII des Wasserkraftwerks 1921. Später verlor die Wasserkraft an Bedeutung, und der Weg wurde hauptsächlich von Einheimischen als Abkürzung zwischen den Dörfern El Chorro und Ardales genutzt.

   Mit der Zeit verfiel der Weg durch Wind und Wetter -aber auch Vandalismus- immer mehr, und die auf den Eisenträgern ruhenden Betonplatten wurden immer brüchiger und löchriger. Dies lockte Abenteurer aus aller Welt an, den Weg zu bezwingen, taten sich auf dem Weg doch Löcher von bis zu zwei Metern Größe auf, die es zu überwinden galt. Bei YouTube gibt es zahlreiche Videos von Hazardeuren, die ohne Sicherung gingen und einem den Atem stocken lassen.

   Leider forderte diese Abenteuerlust auch einige Todesopfer bei Stürzen, so dass der Zugang schließlich bei Strafe verboten, und die Zugänge zum Pfad unterbrochen wurden. Das hielt die Abenteurer aber nicht ab, und stellte -im Gegenteil- eine besondere Herausforderung dar.

   Vor einigen Jahren erkannte die Provinzregierung von Málaga dann das touristische und wirtschaftliche Potenzial dieses Weges und beschloss seine vollständige Rekonstruktion, die im Frühling 2015 abgeschlossen war. Eröffnung war am 29. März 2015.

 Um das Originalbild zu erhalten, hat man den neuen Weg aus Holzbohlen oberhalb des alten Weges gebaut und die ursprünglichen Betonplatten und T-Träger größtenteils an ihrem Platz belassen. Der neue Weg ist nun für jedermann zugänglich und durch hohe Geländer und durchgehende Drahtseile am Fels gesichert.

Da müssen wir (wieder) hin!

Südseite des Caminito Del Rey von El Chorro aus gesehen

   Natürlich konnten wir uns diese Attraktion nicht entgehen lassen, zumal der Caminito -gemessen an hiesigen Dimensionen- nur einen Steinwurf von uns entfernt liegt und wir im Dezember 2013 schon einmal dort waren, um die Abenteuerluft zu schnuppern, die den Weg so legendär machte.

   Da die Begehung in den ersten sechs Monaten nach der Eröffnung noch gratis ist, und nur eine Anmeldung erfordert, haben wir uns gleich nach Bekanntwerden um ein Ticket bemüht. Innerhalb von Stunden war der ganze April bereits ausgebucht. So mussten wir bis zum 29. April warten, bevor wir selbst den neuen Caminito erwandern konnten.

   Hier seht Ihr uns auf dem Weg zum südlichen Zugang von El Chorro aus. An der Wand im Hintergrund seht Ihr den Bohlenweg von rechts nach links zur Schlucht führen. Ein Japaner war so freundlich, uns mit meiner Kamera zu fotografieren. Die können das ja auch gut. ;-)

Wie ist das so dort?

   In der "illegalen Version" musste man früher von einem Schotterhang über mehrere aus dem Fels herausragende Querträger, welche etwa 1,5m Abstand zueinander hatten, die Wand auf einer Strecke von gut 40 Metern bis zu einer Felsspalte queren. Die Träger sind im Bild rechts im Hintergrund über uns zu sehen.

   Durch diese Spalte musste man "kaminartig" hochklettern und stieg dann auf den Weg. Glücklicherweise war der Kamin auch für wenig geübte Kletterer durch Eisenstangen erschlossen, auf die man leicht aufsteigen und sich daran festhalten konnte.

   Die im nächsten Foto abgebildete Treppe war dann das erste Stück befestigter Weg, das man von links unten erreichte..

Treppen auf dem Caminito del Rey, alt und neu

   Hier sieht man sehr schön, wie der neue Weg oberhalb des alten gebaut wurde. Von fast allen Stellen aus ist die frühere Betonstruktur noch sichtbar. An einigen statisch wichtigen Punkten mussten die Platten allerdings für Stützpfeiler durchbrochen werden.

 

 

Caminito del Rey - Vorher und Nachher

   Leider habe ich bei unserer neuen Begehung die Stelle nicht richtig wiedererkannt, wo das linke Foto im Dezember 2013 entstanden ist (man beachte, dass ich mich todesverachtend für das Foto kurz vom Sicherungsseil ausgehängt habe :-D). Auf dem rechten Bild hätten wir noch etwa 10 Meter weitergehen müssen. So kann man nur ungefähr erahnen, wie es mal war und wie viel höher der neue Weg nun gelegen ist.

Und heute?

   In jedem Fall ist der Caminito del Rey auch ohne die unmittelbare Absturzgefahr kein normaler Wanderweg geworden. Man sollte schon einigermaßen fit und vor allem schwindelfrei sein, denn die Aussicht in die Tiefe ist einfach sagenhaft. Mit wenig Höhenunterschied schmiegt sich der Holzpfad, teils über kurze aber sehr steile Treppen mit kurzen Stufen, an den Fels und schlängelt sich durch die Schlucht. Es gilt also aufzupassen, wo man hintritt. Der Gegenverkehr durch die anderen Besucher ist dabei auch zu beachten.

   Als wir am 29. April dort waren, war der Andrang groß. Es ist zwar keineswegs so, dass sich die Menschenmassen über den Caminito schieben, alleine ist man aber auch nirgends. Im Großen und Ganzen noch erträglich. Man hat stets genug Gelegenheit stehen zu bleiben und die Aussicht zu genießen oder ein Foto zu machen. Ich denke, wenn der Weg erst einmal Eintritt kostet und die erste Welle der Neugierigen abgeebbt ist, dann hat man dort mehr Ruhe.

   Zum "recorrido", also der ganzen Strecke, gehören noch die Wanderpassagen vor dem Eingang und nach dem Ausgang. Insgesamt legt man dabei etwa 8 Kilometer zurück. Da es keine Rundstrecke ist, muss man am Zielpunkt mit dem Bus wieder zum Ausgangsort zurückfahren. Aber das stellt kein Problem dar.

Was muss man tun, um den Caminito zu begehen?

   Zunächst einmal muss man vorab seine Tickets buchen. Wie gesagt, in den ersten sechs Monaten ab Eröffnung ist der Zutritt noch gratis. Bei der Buchung muss man die Anzahl der Personen, deren Namen und die Nummer eines Ausweises oder Reisepasses mit angeben. Diese Nummer steht auf dem auszudruckenden Ticket mit drauf, und das Ausweisdokument muss am Eingang auch mit vorgezeigt werden.

   Für die Buchung geht man am besten an die Quelle, zur offiziellen Website des Caminito: https://reservas.caminitodelrey.info/. Hier liest man sich am besten auch gleich die Regeln und Normen für die Begehung durch. Damit man keine Kinderwagen, Riesenrucksäcke und sperrige Gegenstände mitbringt. Rauchen ist auf dem Weg übrigens auch verboten. Gut so, denn sonst würden die Leute die Kippen einfach in die Schlucht hinunterwerfen.

   Hat man einen freien Termin gefunden und sein Ticket gebucht (und ggf. bezahlt), erhält man per E-Mail ein PDF, das man sich ausdruckt und am gebuchten Tag zum Eingang mitbringt. Hier kann man sich übrigens auch einen Schutzhelm leihen, der auf der gesamten Strecke vorgeschrieben ist. Es ist immerhin noch ein Felsgelände, auf dem jederzeit Steinschlag auftreten kann. Man kann auch seinen eigenen Helm mitbringen, solange er gängigen Normen des Bergsports entspricht. Die Helme werden am Eingang kontrolliert. Den Leihhelm gibt man am Ausgang einfach wieder ab.

Wie kommt man da hin?

   Nun gilt es, die Anreise zu planen. Wir empfehlen den südlichen Zugang von der Alora-Seite in El Chorro aus. El Chorro findet Ihr hier: https://goo.gl/maps/bkuHz. Da hat man gleich nach einem kurzen Anstieg über einen Wanderweg die Hauptattraktion, den Bohlenweg, unter den Schuhen. Der Mittelteil ist dann etwas länger, und aus unserer Sicht ist die Reihenfolge so herum einfach genussvoller, weil man sich frisch und unvoreingenommen der atemberaubenden Aussicht widmen kann.

   Man fährt also mit dem Auto (oder der Bahn) nach El Chorro. Das ist von uns hier etwa eineinhalb Stunden gemütliche Autofahrt entfernt. Anmeldung am Eingang ist eine halbe Stunde vor der gebuchten Zeit. Vielleicht plant man noch eine halbe Stunde mehr ein, um auf der Anfahrt die schöne Landschaft zu genießen. Besser zu früh als zu spät ankommen. :-)

    Wir hatten ein wenig Glück und direkt am Bahnhof von El Chorro einen Parkplatz gefunden. Aktuell (Mai 2015) ist im Ort noch einiges an Bauarbeiten im Gange, so dass mit weiteren Parkplätzen in naher Zukunft zu rechnen ist. Trotz des großen Andrangs war die Parkplatzsuche nicht so schlimm wie befürchtet.

   Vom Bahnhof aus läuft man bergab Richtung Campingplatz, der am Fluss gelegen ist. Aber der Zugang ist ausgeschildert, den kann man gar nicht verpassen. Beim Campingplatz ist auch die Eingangskontrolle. Hier muss man sein Ticket und das bei der Buchung genannte Ausweisdokument bei den Park-Rangern vorzeigen. Einlass ist nicht kontinuierlich, sondern im Halbstundentakt. Es gibt nämlich zuvor noch eine kleine Einweisung. Spanischkenntnisse sind hierfür von Vorteil. Für die Sprachfremden hat man die Instruktionen auf Englisch zum Mitlesen ausgedruckt.

   Dann wird man eingelassen und läuft ca. 1,5km bis zum Zugang, zuerst am Fluss entlang, später teils steil bergauf zum Einstieg in den Caminito oberhalb der Eisenbahnbrücke. Hier werden nochmals das Ticket und der Ausweis kontrolliert. Spätestens jetzt sollte man den Helm aufsetzen. Vorher sieht das ein bisschen blöd aus, wenn man den Waldweg langläuft, finde ich persönlich. :-)

Was erwartet einen dann?

   Der spannendste Teil ist sicherlich der Holzbohlenweg hoch oben an den Felswänden. Man quert nach dem Eingang erst einmal die lange Wand, um dann die Treppe hoch zur Wasserrohrbrücke zu nehmen. Früher ging man direkt über das Rohr hinüber, aber heute führt parallel dazu eine Drahtseilbrücke auf die andere Seite. Park-Ranger überwachen dabei, dass nie mehr als 10 Personen gleichzeitig auf der Brücke sind.

   Danach schlängelt sich der Weg an der Wand entlang durch die Schlucht, bis er gefühlt ziemlich abrupt an einem Sperrventil endet, das zur feierlichen Eröffnung aufgedreht wurde und den Wasserfluss zu Tal freigab. Hier beginnt ein ca. 4km langer Wanderweg durch das Tal. Herrliche Ausblicke laden immer wieder zum Verweilen ein.

   Am oberen Ende des Tals folgt nochmals ein gutes Stück Holzbohlenweg, welcher durch eine sehr enge und tiefe Schlucht dann einiges an Höhe gewinnt. Vom oberen Ausgang bis zum Ausflugsort Ardales sind es dann noch gut 2 Kilometer. Nach dem Ausgang hält man sich rechts am Flussufer entlang und folgt einfach immer dem Pfad.

   Zuletzt durchquert man einen kleinen Tunnel und kommt dann quasi direkt an einem Lokal heraus, vor welchem (hoffentlich schon) der Shuttlebus wartet, der einen nach El Chorro zurückbringt. Die Fahrt kostet 1,50 EUR und ist jeden Cent wert.

Gibt es auch Fotos von Eurer Tour?

   Ob es Fotos gibt? Aber hallo! Mehr als genug. Fotos satt! Hier seht Ihr eine kleine Auswahl. Alles wollen wir Euch vorab natürlich nicht zeigen., Schließlich sollt Ihr das ja alles vor Ort zum ersten Mal sehen. Erst dann wirkt es richtig auf einen.

   Klickt die Fotos für eine Dia-Show an. Zu jedem Bild gibt es eine kleine Beschreibung.

Google-Maps-Karte:

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Kommentare: 1
  • #1

    Rudi (Montag, 04 Mai 2015 10:32)

    Vielen Dank für den sehr guten Bericht und die wunderschönen Fotos. Muss wirklich einmalig schön sein.