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Wandertipp "Pico El Torreón"

Hin/Zurück, 5,5km - Zum Dach der Sierra de Grazalema

Schon lange stand auf unserer "To-Do-Liste" die Wanderung auf den Gipfel des Torreón, dem mit 1.654m höchsten Berg der Sierra de Grazalema. Da man den Torreón von fast überall hier in der Gegend sehen kann, drängt es sich dem Bergfreund förmlich auf, wenigstens einmal dort oben gestanden zu haben.

 

Als südliche Begrenzung der Sierra de Grazalema ist der Torreón Teil einer bogenförmigen, steil aufragenden Wand, in deren Schoß die Berge der Sierra liegen.

 

Da es einer gewissen Vorbereitung bedarf (man muss zuerst eine Genehmigung zum Betreten des Naturparks einholen), haben wir diese Tour immer wieder aufgeschoben, weil wir sonst eher die Spontanwanderer sind. Doch dieses Mal hatten wir aufgrund Besuchs aus Berlin einen Anlass, hatten damit den Gipfel fest im Blick und deshalb die "Expedition" vorausgeplant. :-)

Zusammenfassung

Strecke: 5,5km (je 2,75km hinauf und hinunter)

Höhenmeter kumuliert: 790hm

Dauer: ca. 5,5 Stunden, inkl. Pause

Schwierigkeitsgrad: Schwer*

Wegbeschaffenheit: Stetig ansteigender Pfad, kaum 1m breit, meist schmaler und teilweise sehr steil. Untergrund von Schotter bis loses Geröll, weiter oben auch Fels. Auf den letzten 50 Höhenmetern gibt es Passagen, in denen zum leichten Klettern die Hände zu Hilfe genommen werden müssen.

Voraussetzungen: Fitness, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit

Ausrüstung:

  • Festes Schuhwerk, geeignet für alpine Wanderungen
  • Wanderstöcke sind nicht dringend erforderlich, aber durchaus nützlich
  • Warme Jacke zum Überziehen auf dem Gipfel
  • Sonnenschutz
  • Ausreichend Proviant und Getränke

Anfahrtstrecke (von uns aus):

  • 30,6km via Las Casas, El Bosque, Benamahoma zum Parkplatz an der A-372

Google-Maps-Link zum Startpunkt: Parkplatz an der A-372


*Gemessen woran? Basis unserer Einschätzung ist der durchschnittliche Taunuswanderer, der gern auf breiten, gut ausgebauten Wegen ca. 4-5 Stunden wandern geht. Wenn das leicht bis mittelschwer ist, dann ist diese Tour deutlich anspruchsvoller.

ÜbersichtskarteN

Übersichtskarte - Anfahrt von uns aus über CA-4405, CA-8102, A-373 und A-372 (c) Google Maps
Übersichtskarte - Anfahrt von uns aus über CA-4405, CA-8102, A-373 und A-372 (c) Google Maps
Übersichtskarte - Start an der A-372 bei Kilometer 40
Übersichtskarte - Start an der A-372 bei Kilometer 40

Da auf dem Weg mein GPS-Tracker versagt hat, gibt es leider keine Aufzeichnung der Tour. Stattdessen habe ich die Route mit der Maus in die Karte gemalt.

Genehmigung einholen

Die Wegstrecke liegt vollständig innerhalb des Naturparks Sierra de Grazalema. Der Zutritt ist nur zwischen dem 15. Oktober und dem 15. Juni gestattet, wegen Waldbrandgefahr. Auch gibt es eine maximale Anzahl von Besuchern, die pro Tag für die Strecke zugelassen werden. Deswegen benötigt man für den Aufstieg eine Genehmigung (Permiso). Die Genehmigung selbst ist kostenlos.

 

Wenn Ihr unsere Gäste seid, übernehmen wir die Formalitäten gerne für Euch. Die nötigen Antragsformulare haben wir hier. Wenn Ihr das lieber selbst organisieren möchtet, so schreibt eine E-Mail auf Spanisch mit dem geplanten Datum der Wanderung und der Anzahl von Personen, mit denen Ihr hinauf gehen möchtet an: cv_elbosque@agenciamedioambienteyagua.es. Man sendet Euch daraufhin das Antragsformular als PDF zu, das Ihr ausgefüllt wieder per Mail zurückschickt. Als Antwort erhaltet Ihr dann per Mail die Genehmigung, die Ihr Euch ausdruckt und mitnehmt.

Startpunkt

Der Start ist ein designierter Parkplatz für Wanderer gegenüber dem Einstieg zur Tour an der Landstraße A-372 zwischen Grazalema und El Bosque.

 

Man kann von uns aus entweder über Zahara de la Sierra und Grazalema fahren (die schönere Strecke, aber länger) oder über El Bosque (auch nicht hässlich, aber etwa 15-20 Minuten kürzer. Wir wählen die zweite Variante.


Von unserem Haus aus fahren wir die CA-4405 bergab bis zur Kreuzung nach Las Casas. Hier biegen wir rechts ab auf die CA-8102 und folgen dieser für etwa 11 Kilometer. An der Einmündung zur A-373 biegen wir links ab Richtung El Bosque. Nach gut 5km nehmen wir die Abzweigung nach El Bosque und fahren in den Ort hinein. Hier ist die A-372 nach Grazalema schon ausgeschildert. Den länglichen Kreisverkehr um einen Platz herum im Ort verlassen wir geradeaus bergauf in südlicher Richtung. Nach etwa 650m kommt links die Abzweigung nach Grazalema.

 

Ab hier geht es stets der Landstraße A-372 entlang bis kurz hinter Kilometer 40 (auf die grünen Kilometerschilder am Straßenrand achten!). Hier kommt bald der Parkplatz auf der rechten Seite. 50m vorher steht schon ein Hinweisschild. Er ist also so gut wie nicht zu verfehlen.

 

In den anderen parkenden Autos lagen die Permisos hinter der Windschutzscheibe. Wir wissen nicht, ob das so Vorschrift ist und hatten das nicht so gemacht. Möglicherweise ist es am besten, zwei Kopien zu machen. Eine fürs Auto und eine zum Vorzeigen unterwegs. Kontrolliert wurden wir zwar nicht, aber sicher ist sicher.

Wegbeschreibung

Gegenüber dem Parkplatz steht unübersehbar das Hinweisschild, das den Beginn des Weges markiert. Direkt über uns im Hintergrund ist auch schon das Ziel unserer Mühen zu sehen. Da geht es hinauf! Hurra! :-)

 

Nach dem kleinen Sandweg geht man unter den Eichbäumen durch ein kleines Tor, das man hinter sich schließt. Hier führt der Weg nach links und zeigt sich zunächst noch sehr flach. Aber schon bald beginnt die Steigung, die von da an bis kurz vor dem Gipfel nicht mehr nachlassen wird.

 

Immer wieder verlocken Stellen, von denen aus man besonders gut nach Süden ins Tal sehen kann, dazu stehenzubleiben und die Aussicht zu genießen.

 

Wir haben zudem das Glück, dass uns schon bald ein paar sehr große Vögel begegnen, die majestätisch an uns vorbei segeln. Leider kann ich nicht erkennen, welche Art es ist. Ob Adler oder sogar Geier...

Der Weg schraubt sich teils sehr steil, teils erträglich steil auf steinigem und teils losem Untergrund stetig bergauf. Sehr oft sind kniehohe Stufen zu erklimmen, die schon die "Vorfreude" auf den Abstieg in uns aufkommen lassen.

 

Wer hier mit schlechten Schuhen hinaufgeht, wird das bald bereuen. Andere Wanderer, denen wir begegnen, sind mit Straßenschuhen unterwegs und prompt hätte sich einer vor uns fast auf die Nase gelegt, weil die Sohle keinen Grip hat.

 

Ein guter Knöchelschutz ist wegen der scharfkantigen Felsen hier ebenfalls angebracht.

 

Wir haben zwar Stöcke dabei, diese für den Aufstieg aber noch im Rucksack gelassen, da man doch eher damit hängenbleibt, als dass sie einem nützen. Für den Abstieg später sollten sie dagegen doch sehr hilfreich sein. Insbesondere, wenn man mit Knieproblemen zu kämpfen hat, können die Stöcke einem viel Last abnehmen. Wenn Ihr welche habt, bringt sie mit!

Endlich gelingt es mir mal, zwei der großen Vögel vor die Kamera zu bekommen. Wenn auch nur weit entfernt.

 

Aber die Ausicht ist an fast jeder Stelle einfach phantastisch. Und das ist nur die Südseite. Wir sind bereits neugierig, wie das oben aussieht, wenn man das 360°-Panorama hat.

 

Ab und zu lohnt auch ein Blick rechts und links des Weges auf die Pflanzenwelt. Wachsen hier doch sehr seltene Kräuter, Sträucher und Bäume.

Immer wieder hören wir außer dem Rauschen des Windes und den Rufen der Vögel ein Rascheln hier und da im Gebüsch über uns. Es ist nicht leicht zu erahnen, was da durch die Böschungen streicht, aber wir haben da schon so eine Idee.

Die Auflösung lässt nicht lange auf sich warten. Es sind -wie vermutet- frei lebende Ziegen, die sich hier zwischen Felsen und Bäumen tummeln.

 

Zutraulich sind sie nicht. Wenn man näher tritt, weichen sie aus. Flüchten wollen sie aber auch nicht. Es ist eher ein Vermeiden. Gut so, denn es sind bestimmt nicht alle Wanderer so freundlich wie wir.

 

Es ist ein Schauspiel zu beobachten, wie geschickt und sicher die Ziegen von Fels zu Fels springen, ohne auch nur den kleinsten Fehltritt zu machen. Die müssen sich hier großartig fühlen.

 

Wir beobachten die Ziegen noch eine Weile und gehen dann weiter. Schließlich haben wir noch nicht mal die Hälfte der Strecke geschafft.

Ich glaube, hier kann man ungefähr erahnen, wie steil der Weg zum Teil ist.

 

Nina ist gerade dabei zu versuchen, die Adler (oder Geier?) mit der Kamera zu erwischen. Aber die Mistviecher kündigen sich immer nur sehr kurzfristig an und sind auch genauso schnell wieder verschwunden. Kaum Zeit, die Kamera hervorzuholen und in Stellung zu bringen.

 

Ich bin mir mittlerweile sicher: Die wissen das und machen sich mit uns einen Spaß!

 

Inzwischen spüren wir auch schon die Anstrengung in den Oberschenkeln. Dass das nicht leicht wird, wussten wir ja. Also beißen wir die Zähne zusammen. Indianer kennt keinen Schmerz! Der Gipfel ruft!

Die Orientierung im Gelände fällt sehr leicht. Der Weg ist allzeit gut erkennbar, Abzweigungen gibt es keine.

 

Aber falls man doch Zweifel hegt, ob man noch auf dem richtigen Weg ist, helfen einem die Pfosten mit weißen und grünen Ringen weiter, auf denen zudem noch ein Pfeil in die richtige Richtung weist. Nur für den Fall... ;-)

 

Einzig am Schluss, kurz vor dem Gipfel, sollte man in der Kletterpassage ab  und zu innehalten und die umgebenden Felsen prüfen, um zu schauen, welche Route man am besten nimmt.

 

Oberhalb der Baumgrenze erreichen wir bald ein sehr felsiges Gelände. Hier wird es endlich für ein Stück etwas flacher. Ja, wir können sogar ein paar Meter über Gras auf völlig ebenem Boden gehen.

 

Die Gegend wirkt unwirklich. Fast wie aus einem Film der "Herr der Ringe"-Saga.

 

Letzte Gelegenheit durchzuatmen, denn jetzt folgt gleich der lustige Teil!

Just an der Stelle, wo es technisch wird, haben wir Gegenverkehr. Das sind die Leute, deren Autos (mit den Permisos hinter der Frontscheibe) wir unten auf dem Parkplatz gesehen haben.

 

Das schwierigste Stück, das es zu überwinden gilt, nenne ich im Spaß den "Hillary Step" (eine Schlüsselstelle im Aufstieg zum Mount Everest). Hier müssen wir eine Wand von etwa 10-15 Metern Höhe erklettern. Das ist auch für ungeübte Kletterer machbar, jedoch sollte man wegen der Sturzgefahr sehr sehr vorsichtig sein.

 

Wenn man Höhenangst hat und zudem Angst hat zu stürzen, kostet diese Stelle etwas Überwindung. Ein weiterer Risikofaktor ist der Steinschlag. Die Herrschaften im Bild haben prompt von über uns einen kleinen Stein losgetreten, der dicht an mir vorbeifliegt. Also bei Gegenverkehr doppelt aufpassen!

 

Wenn diese Stelle geschafft ist, sind die folgenden Felspassagen nur noch halb so wild. Zwar muss man noch ein bisschen mit den Händen arbeiten, bevor man den Gipfel erreicht, aber wirklich klettern braucht man jetzt nicht mehr.

 

Die Belohnung für das Leiden ist nah!

Berg heil!

Geschafft! Wir sind oben! Inklusive der vielen Pausen und mit einem sehr gemütlichen Tempo haben wir für den Aufstieg 3:20h gebraucht. Es gab ja auch viel zu sehen, und einen Rekord wollten wir bestimmt nicht brechen. Darum haben wir die Prognosen aus den Wanderführern von 2 bis 2,5 Stunden leicht gesprengt. Egal! :-)

 

Es geht auch anders herum: Auf dem Gipfel treffen wir einen jungen Mann, der zuvor weiter unten an uns vorbei gejoggt (!) ist. Wir fragen ihn, wie lang er gebraucht hat. Seine Antwort: 54 Minuten! :-o Er trainiere für einen Berglauf, sagt er, und mache das mehrmals im Monat. Fit, fit, der Bursche. Mehr als dreimal so schnell wie wir. Irre. :-) 

 

Wir genießen die Ruhe und die atemberaubende Aussicht. Er macht sich fertig zum Abstieg. Oder eher Lauf.

Rückweg

Nach gut einer halben Stunde Pause mit einer Stärkung aus mitgebrachten Leckereien machen wir uns auf den Rückweg. Mit nur einer Pause (die Knie, aua!) schaffen wir die Strecke in fast genau 2 Stunden, so dass wir rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit um halb fünf wieder am Auto sind.

 

Erwähnenswert ist noch die Tatsache, dass die hohen Stufen, die man haufenweise hinabsteigen muss, eine besondere Belastung darstellen. Wer Gelenkprobleme jeglicher Art hat, sollte dies beachten.

Video

Auf Fotos kommt diese Weite und Tiefe nie so ganz herüber. Darum habe ich versucht, das Panorama per Video einzufangen. Ich hoffe, es gefällt Euch.

Fotoalbum

Hier nochmal alle Bilder von oben und ein paar mehr zum Durchblättern.

Google-Maps-Karte

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