· 

Wandertipp "Berg der Steineichen und Lorbeerbäume"

Rundweg, 7.5 km - Auf Ziegenpfaden durch unberührte Natur

In unserem Wanderbuch gibt es noch so viele Strecken, dass es schwer fällt sich zu entscheiden. Diesmal war das Kriterium, dass die Wanderung relativ kurz sein und einen Rundweg darstellen sollte. Nach kurzem Blättern entschieden wir uns für Route 10. Mit der im Buch angegebenen Schwierigkeitsstufe "Leicht" war sie also auch für Hunde geeignet. Dann nichts wie los!

 

Wir hätten uns die Beschreibung allerdings vorher genau durchlesen und unklare Stellen sicherheitshalber übersetzen sollen, statt zu interpretieren, was wohl gemeint war. So hätten wir uns einige Umwege erspart. Aber so war das meiner Meinung nach viel abenteuerlicher. Und wir sind auch so noch ganz gut durchgekommen. Aber dazu weiter unten mehr.

Zusammenfassung

Strecke: ca. 6km Rundweg (wenn man sich nicht verläuft, sonst 7,5 ;-))

Höhenmeter kumuliert: 230hm

Dauer: ca. 2,5 Stunden

Schwierigkeitsgrad: Mittel*

Wegbeschaffenheit: Der Weg ist sehr unterschiedlich beschaffen. Es ist alles dabei: von steinigen Stufen, über holprig gepflastert, schmale Erdpfade, Ziegenpfade, durch Büsche, bis hin zu breiten Forststraßen.

Voraussetzungen: Ein wenig Kondition und ein guter Orientierungssinn, da man sich in dem unübersichtlichen Teil auf der zweiten Hälfte leicht verlaufen kann (so wie wir), da eine Beschilderung auf dem Weg quasi nicht vorhanden ist.

Hunde sind auf der Strecke erlaubt, sollen aber angeleint bleiben. OK, wir haben uns nicht lange daran gehalten. :-/

Ausrüstung:

  • Sonnenschutz
  • Ausreichend Proviant und Getränke
  • Stabiles Schuhwerk
  • Wer empfindliche Beine hat, trägt besser lange Hosen

Anfahrtstrecke (von uns aus):

  • ca. 27,5km via Las Casas über die CA-8102, A-373 und A-372

Google-Maps-Link zum StartpunktParkplatz "Llanos del Campo" an der A-372

 

 

*Gemessen woran? Basis unserer Einschätzung ist der durchschnittliche Taunuswanderer, der gern auf breiten, gut ausgebauten Wegen ca. 4-5 Stunden wandern geht. Solch eine Wanderung setzen wir mit leicht bis mittel an.

Übersichtskarten

Übersichtskarte - Anfahrt von uns aus zur Área Recreativa "Llanos Del Campo" (c) Google Maps
Übersichtskarte - Anfahrt von uns aus zur Área Recreativa "Llanos Del Campo" (c) Google Maps
Übersichtskarte - Wanderung im Uhrzeigersinn mit dem markanten Umweg in der zweiten Hälfte. ;-)
Übersichtskarte - Wanderung im Uhrzeigersinn mit dem markanten Umweg in der zweiten Hälfte. ;-)

Literatur

Unser Wanderführer mit 42 Routen durch die umliegenden Berge bietet auch reichhaltige Zusatzinformation über Fauna und Flora sowie Geschichtliches aus der Gegend. Die vorliegende Wanderung ist die Route Nummer 10 aus diesem Buch.

Auf Basis unserer heutigen Erfahrung möchten wir Euch noch den Rat mitgeben, auf jeden Fall vor Antritt der Wanderung den Text genau zu studieren und zweifelsfrei die Anweisungen der Wegbeschreibung zu übersetzen. Annahmen führen wie üblich zu Irrtümern. ;-) 

 

Anzeige:

Anfahrt und Startpunkt

Wir fahren von uns aus südlich auf der CA-4405 bis Las Casas und biegen dort rechts ab auf die CA-8102 Richtung Prado Del Rey/El Bosque. Wir folgen der Landstraße für ca. 10 Kilometer bis zu einer Einmündung mit einem Stopschild. Hier biegen wir links ab auf die A-373 Richtung El Bosque. Nach gut 5 Kilometern nehmen wir die Abfahrt nach Grazalema/El Bosque. Hier befinden wir uns dann auch schon auf der A-372, der wir durch den Ort folgen. Wir fahren durch einen länglichen Kreisverkehr und verlassen diesen geradeaus bergauf. Nach etwa 600m geht es scharf links nach Grazalema.

 

Ab hier beachten wir die grünen Kilometerschilder am Straßenrand. Der Abschnitt beginnt bei Kilometer 29, und wir zählen hoch bis Kilometer 37, an dem unser Fahrtziel, der Parkplatz der Área Recrativa "Llanos del campo", liegt. Je nach Wochentag und Uhrzeit ist hier entweder gar nichts los, oder die Picknicktische und Grillplätze sind von Ausflüglern belegt.

 

Der Parkplatz ist zugleich Start und Ziel unserer Wanderung. Unser Weg beginnt oberhalb der Picknickwiese am Fußballplatz und endet an dem kleinen Tor auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Wegbeschreibung

Als wir die Wanderung machen, ist Maifeiertag, und es sind viele Ausflügler auf dem Rastplatz beim Picknick. Deshalb ist der erste Teil etwas befremdlich, da wir, um den Einstieg in den Wanderweg zu erreichen, an vielen Leuten vorbeigehen müssen.

 

Auf der linken Seite des Parkplatzes (Blickrichtung Berge, mit der Straße im Rücken) gehen wir durch ein Tor zum Fußballplatz, oberhalb dessen eine Wiese mit Tischen und Bänken ist. Diese Wiese müssen wir bergauf überqueren. Am oberen Ende ist ein kleines Tor im Zaun, welches wir gewissenhaft wieder hinter uns schließen. 

 

An dieser Stelle ist unser Wanderführer nicht so deutlich wie er hätte sein können. Vom Tor aus gehen wir zuerst links und dann durch das, was eher wie ein Geröllfeld als wie ein Weg aussieht, bergauf durch den Geländeeinschnitt. Wenn man auf dem Pfad ist, sieht man, wo es weitergeht. Aus der Entfernung ist das jedoch nicht sofort erkennbar.

 

Der Weg macht hier eine leichte Rechtskurve und führt stetig bergauf. 

Schon bald erreicht man ein kleines Plateau, auf dem sich ein verlassener Bauernhof mit einer verfallenen Ruine links und einem noch einigermaßen intakten Stallgebäude rechts befindet. Unter einer großen Eiche steht eine Tafel, die auf Spanisch und Englisch etwas über diese besondere Art Bäume dieser Gegend erzählt.

 

Wir gehen zwischen den Gebäuden hindurch und stehen kurz danach an einer Kreuzung.

 

Anekdote am Rande:

 

Hier zeigt unser Wanderführer eindrucksvoll, wie man eine Wegeschreibung NICHT verfassen soll. Statt -wie es sein sollte- zu sagen: "An dieser Kreuzung biegen wir rechts ab und folgen dem Weg bergauf", steht dort "wir vermeiden den Weg nach links, der uns nach Benamahoma führen würde". Uns ist die spanische Vokabel für "vermeiden" an der Stelle nicht geläufig, und wir verstehen nur "nach links". Wir zögern. Das kann eigentlich nicht sein, denn diesen scharfen Knick müsste man auf der Karte im Buch erkennen. Der Weg geradeaus endet nach wenigen Metern an einer Viehtränke. Hm. Wir folgen also widerwillig dem Weg bergab. Nach einer ganzen Weile merken wir, dass die im GPS-Tracker aufgezeichnete Route eine ganz andere Form hat als die auf der Karte. Wir kehren also wieder um und gehen zurück zur Kreuzung. Links abbiegen kann nicht sein. Und eine andere Kreuzung haben wir auf dem Weg bisher nicht übersehen. Also bleibt nur rechtsherum bergauf. Mit ungläubigen Gefühl im Bauch gehen wir darum bergauf. Aber zurück zur Wegbeschreibung.

An dieser Kreuzung treffen wir auf den antiken Verbindungsweg von Arcos de la Frontera nach Grazalema. Deshalb ist dieser teilweise noch mit groben Steinen gepflastert. Wir folgen dem Weg nach rechts bergauf.

 

Die Stille hier ist sehr erholsam. Außer Vogelgezwitscher und dem Rauschen der Bäume im Wind gibt es kein Geräusch. 

 

Nach ungefähr 200m endet die Pflasterung und rechts von uns führt eine steile Böschung als einzige begehbare Strecke ein Stück hoch, wo der Weg dann nach links als Erdweg weitergeht. Der Wanderführer spricht hier von einer Wegkreuzung, die wir beim besten Willen nicht erkennen können. Aber da es sonst nichts gibt, wo man weitergehen kann, bleiben wir auf diesem Weg.

 

Der Pfad schlängelt sich um den Hügel zu unserer Rechten herum, und wir erreichen bald den höchsten Punkt. Es geht nun leicht bergab, grob in südliche Richtung durch ein Plateau mit Eichen. Weiter voraus hören wir schon die Straße, die wir gleich überqueren müssen. 

 

In diesem Gelände ist bereits etwas Orientierungssinn gefragt, denn der Boden ist zerfurcht von Ziegenpfaden, die scheinbar unendlich viele verschiedene Strecken gegangen sind. Der Weg zum Ausgang durch den Zaun führt durch einen felsigen Abschnitt. Dies zur Hilfe. Das Tor besteht -wie hier in der Gegend üblich- aus Draht, der um grobe Stöcke gewickelt ist, die wiederum in Drahtschlaufen an den Begrenzungspfosten eingehängt sind. VORSICHT: Dieses Exemplar enthält Stacheldraht.

Wir überqueren nun die A-372 zwischen El Bosque und Grazalema in einer Kurve. Also bitte gut aufpassen und sorgsam lauschen, bevor Ihr auf die Straße geht, ob von unten oder oben ein Fahrzeug naht.

 

Auf der gegenüberliegenden Seite gehen wir durch ein großes Gittertor, welches wir ebenfalls wieder hinter uns verriegeln. Hier beginnt eine breite Forststraße, der wir für etwa 15 Minuten folgen. 

 

Wieder einmal verwirrt uns der Wanderführer mit der Aufforderung einen Zugang zu unserer Rechten zu suchen. Gemeint war hier aber wohl die Schlaufe im Drahttor zuvor.

Nachdem wir auf der rechten Seite unterhalb des Weges eine Ziegenfarm passiert haben, treffen wir 20m hinter dieser prächtigen Eiche auf eine Gabelung.

 

Wir nehmen die rechte Abzweigung und folgen dem Weg um eine Rechtskurve herum auf die Ziegenfarm zu. Lautes Hundegebell lässt uns den Weg über die Böschung abkürzen, da wir der Farm nicht zu nahe kommen und keinen Stress zwischen unseren Hunden und denen auf der Farm riskieren wollen.

 

 

Ab hier wird es knifflig. Der Wanderweg ist nicht ausgezeichnet und auch nur noch schwer zu erkennen. Der Fahrweg endet hier an einer Wiese, die wir bergab westwärts an diesem Baum vorbei überqueren.

 

Wir müssen an ein paar grasenden Kühen vorbei, über einen Bach und folgen dem am meisten ausgetretenen Pfad, den die Ziegen in die Wiese gestampft haben.

 

Der Wanderführer gibt uns einen letzten hilfreichen Tipp, dass wir an zwei -etwas deplaziert wirkenden- Eukalyptusbäumen rechts vorbeigehen müssen. Ab hier weichen wir irgendwann nach Süden von der Strecke ab und laufen einen Umweg.

Es ist an dieser Stelle für uns schwer zu entscheiden, ob wir Euch raten sollen, denselben Weg zu gehen wie wir (etwas weiter, aber auch schön, und erwiesenermaßen möglich, allerdings schwer zu erklären), oder ob Ihr besser der Beschreibung des Buchs, bzw. der Originalstrecke folgen sollt. Ich habe versucht, auf dem Satellitenbild die Stelle zu finden, an der wir irrtümlich links bergab statt weiter geradeaus gegangen sind. Auf der Lichtung, wo wir links abgedriftet sind, müsste rechts am Hang ein großer Felsbrocken liegen. Dort dann eher geradeaus gehen (blaue Linie). Oder Ihr folgt unserer roten Route.

Satellitenbild der aufgezeichneten Strecke
Satellitenbild der aufgezeichneten Strecke
Die Stelle, an der wir hätten geradeaus gehen sollen (blaue Linie)
Die Stelle, an der wir hätten geradeaus gehen sollen (blaue Linie)

Mangels Datenverbindung ist es uns nicht möglich, auf dem Handy eine Karte zur Orientierung zu laden. Darum vergleichen wir fortlaufend die Linie der GPS-Aufzeichnung mit der Form auf der Karte. Wir merken, dass wir immer weiter nach Süden abweichen, sehen aber keine anderen Wege. In guter Hoffnung, dass der Pfad, auf dem wir uns befinden, schon irgendwann wieder zurück auf einen Weg führen wird, umrunden wir den Hügel. 

Nach etwa 700 Metern im Zickzack und Auf und Ab durch den Wald überqueren wir eine Wiese. Auf der anderen Seite führt der Pfad weiter. Nach gut 150 Metern sagt uns das Gefühl, wir sollten die markante Kurve der Straße anpeilen und wenden uns rechts herum nach Norden. Wären wir an dieser Stelle weiter geradeaus bergab gelaufen, wären wir einfach auf der großen Wiese entlang des Weges herausgekommen, ab welchem wir dann wieder richtig waren. So machen wir aber noch einen Abstecher in den Wald.

 

Nahe der Straße (siehe erstes Satellitenbild) kommen wir dann an eine Abzweigung, wo anscheinend von rechts der ursprüngliche Weg dazustößt. Ohne dies zu wissen, gehen wir intuitiv (und richtig) nach links weiter bergab durch die steinigen Rinnen. Der Weg, der von rechts kommt, erscheint uns ziemlich zugewachsen. Insofern wissen wir nicht, ob dieser damit noch gut begehbar ist. Ein Abenteuer wäre es wert, das herauszufinden. ;-)

 

Auch hier ist es nicht leicht, sich sofort für den richtigen Weg zu entscheiden, weil allenthalben kleine Pfade abzweigen, die die Ziegen hinterlassen haben. Hier heißt es, seinem Kompass in der Nase zu vertrauen und sich westwärts und bergab zu orientieren.

Endlich sehen wir eine offene Fläche. Eine große Wiese, entlang deren gegenüberliegender Seite ein breiter Weg verläuft.

 

Ob das der richtige ist oder nicht, ist uns jetzt egal, denn wir sind sicher, dass ein befahrbarer Forstweg auf jeden Fall zur Straße führen muss. Der Vergleich unserer GPS-Aufzeichnung mit der Karte im Buch bestärkt uns aber bald in dem Glauben, dass wir wieder "on track" sind. Und wir liegen richtig.

Schon wenige Minuten Fußmarsch später (etwa eine Stunde nach dem Abweichen vom Kurs) sehen wir am rechten Wegrand diesen Pfad. 

Unser gestärktes Vertrauen in unseren Navigationssinn lässt uns sofort diesen Weg nehmen, der uns direkt zu einem kleinen Tor auf der dem Parkplatz gegenüberliegenden Straßenseite führt. Geschafft! Wir sind zurück. Und das sogar innerhalb der zweieinhalb Stunden, die der Wanderführer für die Strecke veranschlagt hatte. Wir sind gut! *Highfive*

Fotoalbum

Google-Maps-Karte

Kommentar schreiben

Kommentare: 0